Archiv der Kategorie: Performances

Wie könnt ihr es wagen !

 

Wie könnt ihr es wagen !

 

Uns unsere Zukunft zu rauben –
ruft Greta voller Wut –

durch Zerstörung der Regenwälder

durch maßlose Maßnahmen gegen einen Virus – der aus Euren Teufels-Laboren entwischt sein könnte

Wie könnt ihr es wagen,

ihr alten wohlhabenden Pfeffersäcke aus bürgerlicher Mitte – links – rechts

Habt ihr uns dafür gezeugt ? Habt ihr uns dafür so lieb ?

 

wie könnt ihr es wagen !

 

Arabella und das Mohnfeld

Arabella und das Mohnfeld

 

Bei Reisen nach Bremen, die aus vielerlei Gründen immer wieder notwendig werden, gehört es zu meinen festen Ritualen, jeweils die dortige Kunsthalle zu besuchen – und hier insbesondere im oberen Geschoß jene intimen Räume, wo sich die Bilder aus der Zeit des 19. Jahrhunderts befinden. Es kommt vor, daß ich mich bei diesen Besuchen nur einem einzigen Bild widme. Zum Beispiel ist das Mohnfeld von Van Gogh eines jener Werke, dem meine Aufmerksamkeit inzwischen schon über Jahre gilt. Ich marschiere die breite Treppe hinauf und steuere an Caspar David Friedrich, an Daubigny, an der wundervollen Camille von Monet und vielen anderen vorbei, auch an dem Cézanne – so als gäbe es sie nicht – direkt auf den Van Gogh zu, den ich dann wie einen alten Bekannten begrüße. Wenn es möglich wäre, würde ich ihn umarmen und küssen. Ich kann mich nicht sattsehen an den leuchtenden Farben, die mich dann jeweils in die weite Provence-Landschaft entführen. Und manchmal kommt mir jener Tag in Erinnerung, an dem meine Frau und ich in St. Remy hinter der Heilanstalt an dem Ort standen, wo einst der legendäre Maler gesessen hatte, als er das Bild malte.

Es war auch heute fast alles noch so, wie damals. Die gelbe Mauer an der linken Seite, die die Heilanstalt mit dem prächtigen Garten, in der sich der kranke Maler aufhalten mußte, begrenzte. Das sandsteinfarbene Gehöft und die weiten, grünen Felder mit dem blühenden Mohn unter dem hellen Himmel der Provence.
Wir parkten unser Auto an dem warmen, sonnigen Frühsommertag neben Bäumen an einem Weg, der in das Tal hinunterführte und holten unsere Decke, die wir auf der Wiese mit den Kirschbäumen ausbreiteten. Meine Frau schleppte die Tasche mit Käse, Wein und Baguette heran. Unser Picknick konnte beginnen. „Sieh mal, die Kirschen sind schon reif“, sagte sie. Es waren kleine, halbhohe Bäume, die uns die Früchte ganz leicht erreichen ließen. “So süß können Kirschen nur hier sein“, schwärmte sie. Es duftete nach Thymian und Hunderte von Grillen machten ihr Zierp Zierp. Während meine Frau glücklich über die Wiese schlenderte, hier mal nach einer Kirsche haschte, dort sich eine einsame Mohnblume ansah, hatte ich meinen Zeichenblock geholt und war zu jenem Platz gegangen, wo der große Maler einst gestanden hatte. Die Gemeinde St. Remy hatte der Touristen wegen ein Schild dort aufgestellt. Es zeigte eine Fotografie des Bildes aus der Bremer Kunsthalle.

Ich stellte mich daneben und begann zu skizzieren. Die Welt um mich versank. Stille kehrte ein. Der Filzstift kratzte in flinken, kleinen Strichen über das Papier. Prüfend huschten meine Augen immer wieder über das Blatt. Die Landschaft, die ich vor mir sah, formte sich mehr und mehr auf dem weißen Papier. War es Glück, was ich empfand? Es mußte Glück sein. Ja, so mußte Glück sich fühlen. Ich schrak zusammen.

Jemand hatte mir auf den Rücken geklopft. Sanft nur, aber doch deutlich genug, um mich aus meinem Traum – war es einer? – zu holen. Ich drehte mich um. Grinsend und freudestrahlend sah er mich an, mein Kunst-Freund aus alten Tagen. „Ich habe Dich schon eine ganze Weile beobachtet, mehr als zehn Minuten. Es war ein Genuß, Dich so zu sehen“, sagte er, „so konzentriert und vertieft ein Bild zu betrachten. – Es ist ein schönes Bild, nicht wahr? Es vermittelt so viel.“ Er hielt inne. „Aber was? Denn es stellt doch nur eine fast beliebige Landschaft dar, eine schöne, ja, aber es gibt viele Landschaften, die ebenso ausdrucksstark sind“, fuhr er fort. Endlich kam ich zu mir und fand in die reale Welt zurück. Es war die Kunsthalle, in der wir standen, oben vor dem Van Gogh-Bild. Ich schwieg immer noch. Nein, ärgerlich war ich nicht. „Wollen wir im „Kuckuck“ etwas trinken?“ fragte ich schließlich – mehr aus Verlegenheit. Vielleicht hatte er Neues über sein „Konzept“ zu berichten. Zwar interessierte es mich nicht sonderlich, aber ich hatte bis zu meinem nächsten Geschäfts-Termin noch etwas Zeit. Er war einverstanden und wir gingen hinunter in den Keller und betraten das kleine Café.

„Es muß eine besondere Energie von solchen Bildern ausgehen“, sagte er unterwegs. „Warum sonst wollen Hunderttausende diese Arbeiten in Ausstellungen immer wieder sehen, Menschen aller Art, Alt und Jung, Arm und Reich, Gelb, Schwarz und Weiß.“ „Ach, ich weiß nicht“, antwortete ich, „vielleicht ist es nur das Aufsehen, was um sie gemacht wird“. Er schüttelte den Kopf. „Es muß mehr sein.“ Wir bestellten uns beide ein Kännchen Kaffee. Er nahm dazu ein Stück Apfelkuchen. Während wir auf die Getränke und den Kuchen warteten, zog er einen Briefumschlag aus seiner Aktenmappe und öffnete ihn.

„Hier“, sagte er, „auch ein Bild, ein Foto“. Wollte er mich verhöhnen? Dann erkannte ich die Frau auf der bunten Postkarte. Es war Arabella Kiesbauer aus dem Fernsehen. Ihre großen, kugelrunden Augen. Ich lächelte. Was hatte dieses Foto mit dem Mohnfeld von Van Gogh zu tun? Belustigt sah ich auf ihn und wieder auf das Foto. „Richtig sexy“, lächelte er. „Sie hat es mir auf meinen Brief mit dem Poetry-Text, den ich aus einem Interview von ihr gemacht habe, geschickt. Nur diese Karte. Mehr nicht“. Der Kaffee und der Kuchen kamen. Wir begannen zu essen. „Wirst Du Dich bedanken?“ Empört blickte er auf. Diese Frage an ihn war ein Fauxpas. Ich merkte es sofort. Er war beleidigt. „Nichts verstehst Du!“ murmelte er leise vor sich hin, „von Kunst, meine ich“. Schweigend aß er den Kuchen zu Ende. Dann verabschiedete er sich mit einem erfundenen Vorwand so überraschend, wie er gekommen war. Lange grübelte ich noch über Arabella, meinen Freund und seine Kunst nach. Aber immer wieder auch über – das Mohnfeld! Dann mußte ich gehen. Meine Geschäftspartner warteten schon.

©brunopolik

Warum mich die Bilder der Malerin Ilana Lewitan nicht überzeugen.

Warum mich die Bilder der Malerin Ilana Lewitan nicht überzeugen.

 

Ilana Lewitan wird vom Kunstmarkt hoch gehandelt und weltweit in Galerien und Museen ausgestellt. Ihre Kunst ist m.E. weil gegenständlich erzählend in der Nachfolge von Lüpperts, ihrem Lehrer, Polke und Neo Rauch und anderen anzusiedeln und damit zweifellos Produkt einer abendländischen und damit sich auflösenden bürgerlichen Gesellschaft. Ihre erzählende, gegenständliche, bisweilen surreale, auch expressive Malerei individueller Befindlichkeiten als Verarbeitung unbewältigter Subjektivität der Historie sowie des Holocaust ist keine befreiende Kunst, die Visionen und Zukunft zeigt. Nein, sie ist beklemmend traditionell und auch nihilistisch, also dem „Scheitern“ des Existenzialismus verhaftet.

Der Kunstmarkt braucht Material für seine Umsätze und puscht weiterhin Künstler solcher Kategorien wie die Lewitan, unbestritten eine starke und auch kreative Persönlichkeit. Aber sie ist meilenweit von Künstlern wie Beuys und Abramovic oder Faulhaber entfernt. Und damit auch von meiner Kunst, nämlich „Brunopoliks WebART“, die nur noch virtuell daherkommt, die sich mit ihrer kostenlosen Verfügbarkeit dem Markt und seinen Mechanismen und Zwängen entzieht und damit so paradox es sein mag, als Kunst in einer neoliberalen Wirtschafts-Welt nicht existent sein kann und muß – eben nur im weltweiten Internet als WebART bei Google, Twitter und Co herumgeistert – als stille Option für Abenteurer des Geistes und Erlebens, bestimmt für Entdeckungen dadaesker Spiele in Politik und Poetry-Diskursen ohne materielle Werte aber dennoch von unberechenbarem „Mehrwert“ – eben nichts anderes als Kunst – frei, schwerelos in den Räumen sich verändernder menschlicher Gesellschaften.

Die Stärke dieser, meiner WebART-Kunst ist also das Paradox: Weil sie sich allem Vorhandenem entzieht, so auch als rein virtuelle Kunst ohne materiellen Wert dem Neoliberalismus, dem kapitalistischen Gesellschaftsmodell unserer Zeit, das zum Untergang der Menschheit führen muss. Sie stellt nicht nur Sprache, sondern auch die Ordnungen materieller und geistiger Werte in Frage. Sie weist in eine unbekannte, sich noch zu entwickelnde Zukunft in dem sie Räume für Visionen und Träume öffnet. Damit hat sie einen Sinn, der der traditionellen Kunst längst als Kunst verloren gegangen ist. Sie setzt sich vehement nihilistischem Scheitern entgegen. Wobei „Corona“ zur Zeit geradezu in virtuelle Räume zwingt.

Im zweiten Klima Krieg

Im zweiten Klima Krieg

 

Nulltarif müssen
sich nicht zum Zukunft es gibt
Europas Rat schon

und Cent geben Rat
da einen klaren Ihnen
können wir können

da einen Krieg und
sich schon entscheiden klaren
Nacht Rat müssen nun

geben und Schlaf in
Europas Schrei herabhängt
Silberstrom Zukunft
mit leisem Funkeln gibt der
es zum Nulltarif es nicht

gibt Zukunft Fleisch nicht
geben Europas Rat zum
klaren Nulltarif

zusammen Sie hat
das nicht passt das nicht geht sie
Blut gesagt sagen

darf würde Riese
Adam mehr Cent kosten auch
keinen auch keinen

Cent darf es gesagt
mehr sie hat nun Nacht und Schlaf
Klima kosten in

herabhängt würde
Silberstrom der Angst sagen
das leisem Funkeln
Sie zusammen nicht geht mit
nicht passt das nicht geht das Schmerz

passt sagen würde
nicht das nicht geht das sagen
würde zusammen

dritten Klima Satz
im in Ostdeutschland nicht im
zweiten Dingen Rat

Cent Satz vor allen
werden nirgends gekürzt hat
es gesagt darf sie

gesagt hat Satz sie
es im zweiten Klima Krieg
darf Nacht und Schlaf nun
nirgends herabhängt Schrei in
Silberstrom Fleisch gekürzt der

vor leisem Funkeln
im dritten Satz mit allen
Ostdeutschland Dingen

in Dingen nicht im
dritten werden vor allen
Satz nirgends gekürzt

 

©brunopolik

 

Ja, aus wessen Bundestags-Rede vom 17.10.19 mögen die Worte für diesen Poetry-Text stammen? Wer ist der Politiker oder die Politikerin?

Also: Raten – besser noch – recherchieren – und kommentieren.

 

Denn wer den richtigen Namen innerhalb eines Monats als Erste/r kommentiert, erhält ein Farb-Poster meiner Screen-Shots – nach Wahl – handsigniert – sowie einen ebenfalls signierten Ausdruck des Poetry-Textes als Belohnung für diesen WebART-Politik-Kunst-Rate-Spaß. Und vielleicht ist der zu ratende Politiker oder die Politikerin sogar bereit, für einen weiteren Gewinn zu sorgen, was u.a. eine Einladung in den Bundestag sein könnte.

 

Franziska Brantner hätte als Lösung kommentiert werden müssen. Aus ihrer Rede für die Fraktion der Grünen ist die Mehrzahl der Worte dieses Poetry-Textes. 

 

(Lösung gepostet 26.12.19)

 

KUNST, die heute entsteht, erreicht kaum mehr eine relevante Öffentlichkeit !!!

KUNST, die heute entsteht, erreicht kaum mehr eine relevante Öffentlichkeit !!!

 

Kommentar zu „Hat Kunst noch einen Sinn“ von Simon M. Ingold in der NZZ

 

Denn Kreativität hat in unserer Zeit mehr und mehr seinen Platz nur noch im Technologiesektor – im Silicon Valley – behauptet Simon M. Ingold zu Recht. Künstler erreichen somit inzwischen nur einen eher bescheidenen Teil der Öffentlichkeit. Vor allem, sie sind machtlos. Der Glaube an Algorithmen und künstliche Intelligenz ist riesig – trotz seiner Umstrittenheit.

Als WebARTist und Querdenker, also Künstler von heute verpflichtet es mich dennoch mehr denn je, popularistische und modernistische Wege zu meiden, will ich neue und bislang unbekannte Optionen erreichen. Wohin sollte ich mich also wenden, wenn nicht in die scheinbar machtlose Kunst. Nur dort hat das für Menschen notwendige Wohlfühlsein noch einen Platz. Nur dort halte ich es aus und kann erwarten, einer kommenden künstlichen Intelligenz als Humanist gewachsen zu sein, also dem Gemeinwohl verpflichtet. Gemeinwohl ist Solidarität – Begriffe, die im Christentum und Kommunismus ihre Wurzeln haben. Lande ich aber damit nur im existenzialistischen Scheitern eines Samuel Beckett? In der mir noch verbleibenden knappen Zeit der Menschheit bei folgenden eher barbarischen Optionen?

Von der Klima-Angst radikalisiert